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Home > Presse > Termine > Zwischen Fortschritt und Trauer Zwischen Fortschritt und Trauer20.11.2003
Pressekonferenz: "Auf Erfolgskurs: Das Kompetenznetz HIV/AIDS“ Zwanzig Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus sind positive Entwicklungen zu verzeichnen In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist in keinem medizinischen Bereich so intensiv und so erfolgreich geforscht worden wie auf dem Gebiet von AIDS. Nachdem das HI-Virus in kürzester Zeit identifiziert worden war, begann die Entwicklung hocheffektiver Medikamente, die den Ausbruch und den Verlauf der Krankheit um Jahre verzögern. Die Behandlungsergebnisse der hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART) sind in den Industrieländern inzwischen so gut, dass sie durchaus mit denen einer erfolgreichen Krebstherapie verglichen werden können. „Da Karzinompatienten nach erfolgreicher Therapie von vielen Lebensversicherungen eine Police angeboten wird, sollte diese Möglichkeit auch HIV-Patienten eröffnet werden“, empfiehlt der Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft, Prof. Dr. med. Norbert Brockmeyer (Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum). Der Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS begründet seine Forderung mit den Daten der Swiss HIV Cohort Study-Gruppe, die für Patienten ohne Koinfektion mit Hepatitis-C-Viren eine zusätzliche Sterberate (excess death rate) von 14 pro 1.000 Patientenjahren errechnet haben (Lancet 2003; 362: 877–78). Dieser Wert liegt im Bereich von Patienten nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung. „Daher sollte auch HIV-Infizierten der Abschluss von Lebensversicherungen nicht mehr verweigert werden“, so Brockmeyer. In diesem Jahr sind in den USA vier neue antiretrovirale Wirkstoffe zugelassen worden - das sind in einer solchen Zeitspanne mehr als jemals zuvor. Mit ihrer Einführung verbinden sich neue Hoffnungen, weil sie teilweise gegen resistente HI-Viren wirksam sind, und weil mit Enfuvirtide (Fuzeon®, T-20) nach 7 Jahren erstmals wieder ein HIV-Therapeutikum mit neuem Angriffspunkt in die Klinik gekommen ist. Weitere Substanzen mit neuen Angriffspunkten gegen HIV sind bereits in Erprobung, so dass sich die Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten unter Therapie wahrscheinlich weiter verbessern wird. Von diesem Fortschritt ausgeschlossen sind nach wie vor Patienten in den Entwicklungsländern und in einigen unserer östlichen Nachbarstaaten. „Diesen Missstand zu beseitigen, muss auch unserer Einsatz gelten“, so Brockmeyer. Zu den weiteren positiven Entwicklungen der Aidsforschung gehört, dass in wenigen Wochen erstmals auch in Deutschland (Universität Regensburg) sowohl Komponenten einer zur Prävention entwickelten HIV-Vakzine sowie eines therapeutischen Impfstoffs getestet werden. Bei den Impfstoffkandidaten handelt es sich um attenuierte, rekombinante Vakzinia-Viren (NYVAC), welche mit den Genen gag, pol, nef und env vom HIV-1 Subtyp C (für die Prävention) bzw. vom HIV-1 Subtyp B (zur Unterstützung der Therapie) ausgestattet worden sind. Besorgniserregend ist hingegen die epidemiologische Entwicklung der Immunschwäche-krankheit: Weltweit sind inzwischen rund 42 Millionen Menschen HIV-infiziert. In den USA und den mitteleuropäischen Industrieländern sind homosexuelle Männer überproportional betroffen, in südeuropäischen Ländern wie Spanien und Italien vor allem iv-Drogensüchtige. In den Entwicklungsländern dominiert die heterosexuelle Übertragung. In Osteuropa und China trägt seit einigen Jahren die intravenöse Drogenabhängigkeit maßgeblich zur Verbreitung bei. Nach jahrelanger Stagnation (und teilweisem Rückgang) der Neuinfektionsrate in der westlichen Welt steigt diese in England und den USA wieder leicht an. Aufgrund der Zunahme anderer sexuell übertragbarer Krankheiten - wie der Syphilis und der Hepatitis C - muss man davon ausgehen, dass bald auch in Deutschland mit mehr HIV-Patienten zu rechnen sein wird. Entsprechende Zahlen wird das Robert Koch-Institut in der nächsten Woche präsentieren (www.rki.de). Ursachen dieser neuen Sorglosigkeit sind der Verzicht auf Safer-Sex-Praktiken, die Überschätzung der Therapieerfolge sowie Sparmaßnahmen der öffentlichen Beratungsstellen. So können Aufklärungskampagnen – vor allem in Schulen - nicht mehr so intensiv geführt werden wie früher. Kontakt: Als PDF-Datei zur Ansicht und als Download: Seite erstellt am 10.12.2003 |