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Wie man das Gehirn vor den Folgen der HIV-Infektion schützen kann

15.10.2004

Studien des überregionalen Forschungsverbundes liefern Bausteine für gezielte neuropharmakologische Arzneimitteltherapie der HIV-Demenz

Bereits unmittelbar nach dem Eindringen in den Organismus infiziert  HIV auch das zentrale Nervensystem, was sich frühzeitig als kognitive Defizite und/oder Funktionsstörungen der Motorik bemerkbar macht, im weiteren Verlauf sogar in eine HIV-Demenz mündet. Diese verhängnisvolle Entwicklung kann verzögert werden, wenn die Patienten bereits im Frühstadium der HIV-Infektion einer hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) zugeführt werden. Im Spätstadium der Infektion bleibt der positive Einfluss der Arzneimitteltherapie häufig aus, wie Untersuchungen der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf ergeben, die im Rahmen der Forschungen im Kompetenznetz HIV/AIDS durchgeführt werden.

Die Mechanismen, die im Rahmen der HIV-Infektion zu Veränderungen im Gehirn führen, sind noch nicht ganz verstanden. „Viele Befunde deuten darauf hin, dass eine Dysregulation im Stoffwechsel der Botenstoffe – insbesondere des dopaminergen Systems - eine zentrale Rolle in der Pathogenese der HIV-Demenz einnimmt“ sagte Prof. Dr. med. Gabriele Arendt auf einem Symposium des Kompetenznetzes HIV/AIDS anlässlich der Veranstaltung „HIV im Dialog“ in Berlin. Vor allem geschwindigkeits-abhängige Prozesse würden über die Gehirnstrukturen gesteuert, die mit dem Botenstoff Dopamin verbunden sind.

Die hochaktive antiretrovirale Therapie hat zwar zu einer Verbesserung klinisch manifester neuropsychologischer Ausfälle geführt. Allerdings profitieren nicht alle Patienten in gleichem Maße von den Medikamenten. Mögliche Gründe für dieses Problem sind die schlechte Blut-Hirnschrankengängigkeit vieler Arzneimittel oder ein zum Zeitpunkt des Therapiebeginns irreversible Schädigung der Nervenzellen. Unter der Koordination von Professor Dr. Volker ter Meulen, Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und Prof. Dr. med. Gabriele Arendt, Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf, untersuchen Forscher des Kompetenznetzes HIV/AIDS, welche Faktoren für die Entstehung der HIV-Demenz verantwortlich sind.

Hierzu werden Patienten in verschiedenen Stadien der HIV-Infektion mit und ohne Zeichen einer HIV-Demenz - sowie vor und unter einer antiretroviralen Therapie – mit unterschiedlichen Methoden untersucht. Dazu gehören liquordiagnostische und virologische, neuropharmakologische, neuropsychologische, elektrophysiologische und bildgebende Analysen, die insbesondere die Rolle des dopaminergen Systems beleuchten sollen. Dabei zeigt sich, dass HIV-Infizierte einen erhöhten Stoffwechsel der Botenstoffe Dopamin und Serotonin auf weisen, während der Umsatz von Noradrenalin erniedrigt ist.

„Vor allem der frühe Einsatz von HAART kann sich positiv auf die Reaktionszeiten der HIV-Infizierten und ihre Leistungsfähigkeit in kognitiven Tests auswirken, während die Therapie im Spätstadium der Infektion ohne Wirkung auf das zentrale Nervensystem bleiben kann“, so Arendt in Berlin. Einen deutlichen Einfluss auf die Funktionsweise des Gehirns habe auch die Höhe der Viruslast im Blut. Je niedriger sie ist, um so dichter erscheint die Blut-Hirnschranke für die Passage von Viren geschlossen zu sein. Bei hoher Viruslast im Blut hingegen, ist es für HIV ein leichtes, diese natürliche Grenze zu überwinden. Die Funktionseinschränkungen gelten vor allem für Patienten mit höherer Viruslast im Liquor als im Blut. Dies war bislang bei 18 Prozent der untersuchten Patienten der Fall.
Diese Studie, die durch die Kooperation von Forschern des Kompetenznetzes HIV/AIDS aus ganz Deutschland innerhalb kurzer Zeit realisiert werden konnte, bietet die Voraussetzung für die Entwicklung von gezielten neuropharmakologischen Therapien. Das Kompetenznetz HIV/AIDS ist ein überregionaler Forschungsverbund von Grundlagenforschern und praktisch tätigen HIV-Medizinern, der seit Juni 2002 vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) gefördert wird.

Kontakt

Sprecher

Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer
Klinik für Dermatologie und Allergologie
an der Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum
Tel:  0234 509-3471, -3474
Fax: 0234 509-3472, -3475
E-Mail: n.brockmeyer@derma.de

Wissenschaftlicher Koordinator
Dr. med. Georg Reimann
Klinik für Dermatologie und Allergologie
an der Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum
Tel:  0234 509-3486
Fax: 0234 509-3477
E-Mail: g.reimann@derma.de
 

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Presseinformation 01/04


Seite erstellt am 18.10.2004
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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