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Presseinformation vom 25.07.2005

25.07.2005

Lebensversicherung auch für deutsche Patienten!

Niederländische Assekuranzen bieten HIV-Infizierten Policen als „chronisch Kranke“ an. Ein Beispiel, das Schule machen sollte.

Was in Deutschland bisher undenkbar scheint, haben holländische Versicherungs-Gesellschaften jetzt in die Tat umgesetzt. Ab sofort bieten dort Lebensversicherer wie ING in Amsterdam oder Aegon in Rotterdam HIV-Infizierten Policen mit Todesfallschutz an. Das gilt für Patienten, die eine antiretrovirale Standardtherapie erfolgreich absolvieren und niemals intravenös-drogenabhängig waren. Versicherungskunden, die diese Voraussetzungen erfüllen, müssen in den Niederlanden zukünftig nur zwei- bis dreimal höhere Beiträge als Gesunde bezahlen. Bislang lagen die Prämien für HIV-Infizierte zehn- bis 20-fach über dem Normaltarif. Mit ihrer Neubewertung entsprechen die niederländischen Versicherungsgesellschaften den Ergebnissen einer landeseigenen Studie, wonach die Lebenserwartung von HIV Infizierten etwa der von Diabetikern entspricht.

„Trotz der guten Altersprognose, die HIV-Infizierte infolge der antiretroviralen Therapie inzwischen haben, schätzt die deutsche Assekuranz das Versicherungs-Risiko dieser Bevölkerungsgruppe immer noch falsch ein“, sagt Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft und Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS. HIV-Infizierte seien in Deutschland generell vom Abschluss privater Lebensversicherungen sowie von Berufsunfähigkeitsversicherungen ausgeschlossen. „Damit geraten viele Betroffene in eine ebenso unerwünschte wie vermeidbare soziale Abhängigkeit und in die Sozialhilfe“, betont Brockmeyer.

„Dies ist eine absurde Situation“, kritisiert auch Bernd Vielhaber
(Edemissen/Niedersachsen) von der Deutschen Aids-Hilfe: „Wir möchten uns gegen Berufsunfähigkeit versichern, dürfen es aber nicht und sind dann oft dem Vorwurf ausgesetzt, Sozialschmarotzer zu sein.“ Bei Lebensversicherungen komme verschärfend hinzu, dass Versicherungsunternehmen die Verträge mit einem Kunden sofort aufkündigen, wenn bekannt wird, dass der Versicherte wäh-rend der Laufzeit HIV-positiv wurde. Vielhaber: „Da nützen einem auch jahrzehntelange Beitragszahlungen nichts: Wer sich infiziert hat, fliegt raus. Eine inakzeptable Ungerechtigkeit und Zumutung.“

„Die gesetzlichen und die privaten Krankenkassen in Deutschland werden aufgrund der überwältigenden Datenlange zum Langzeit-überleben von therapierten HIV-Infizierten und der beispielhaften Vorreiterrolle der Niederlande umdenken müssen“, so Brockmeyer.


Seite erstellt am 02.08.2005
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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