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Presseinformation 01/05

04.03.2005

Resistenztests zum Zeitpunkt der Diagnose könnten Therapiefehler vermeiden

In Deutschland sind 16 Prozent der übertragenen Virenstämme resistent, wie die vom Kompetenznetz HIV/AIDS geförderte Serokonverterstudie belegt. Die Daten belegen die Notwendigkeit von frühzeitigen Resistenztests.

Der Fall eines jungen Mannes aus New York, bei dem die Infektion mit einem multiresistenten HI-Virus innerhalb weniger Monate zum Voll-bild Aids geführt haben soll, führt bei Betroffenenorganisationen und Gesundheitspolitikern zu der Frage, ob die Resistenzsituation unter den HIV-Infizierten in Deutschland vergleichbar ist, so dass in Kürze mit aggressiveren Krankheitsverläufen gerechnet werden muss. Eine aktuelle Einschätzung liefert die HIV-Serokonverterstudie, die seit 1997 inzwischen 500 Patienten mit bekanntem oder eingrenzbarem Zeitpunkt der HIV-Infektion beobachtet.

Die am Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführte und vom Kompe-tenznetz HIV/AIDS geförderte Langzeitbeobachtung untersucht unter anderem die Übertragungshäufigkeit resistenter HI-Viren. Wie Projekt-leiterin Dr. med. Claudia Kücherer (RKI Berlin) berichtet, hat sich die Häufigkeit einer Übertragung resistenter Virusvarianten in der Sero-konverterkohorte seit 2001 auf einem hohen Niveau von 16 Prozent stabilisiert. Die beobachteten Resistenzen richten sich gegen drei der bisher eingesetzten Medikamentenklassen (nukleosidische und nicht-nukleosidische Hemmstoffe der Reversen Transkriptase, Proteasehemmer). Die vierte Substanzklasse der Fusionsinhibitoren wird erst seit sehr kurzer Zeit eingesetzt, aber auch gegen diese Medikamente kann HIV Resistenzen entwickeln.

Die meisten resistenten HIV-Varianten (90 Prozent) im Rahmen der Serokonverterstudie wurden bei homosexuellen Männern identifiziert. Bei 13 Prozent der Studienteilnehmer liegen Resistenzen gegen zwei Wirkstoffklassen vor, drei Patienten der Kohorte weisen - wie bei dem jetzt aus New York beschriebenen Fall - Resistenzen gegen drei Wirk-stoffklassen auf. Da der Infektionszeitpunkt dieser drei Studienteil-nehmer noch nicht lange zurückliegt (2002 und 2003) sind ihre Infekti-onsverläufe noch nicht verlässlich zu beurteilen. Bei zwei Patienten wurde jedoch keine dramatische Verschlechterung des Immunstatus (CD4-T-Helferzahl) innerhalb des ersten Jahres nach ihrer Infektion beobachtet.

Die medikamentöse Behandlung von Patienten mit multiresistenten Viren gestaltet sich schwierig. Um Therapiefehler bei solchen Patien-ten zu vermeiden, die eine weitere Resistenzentwicklung noch be-schleunigen würden, wäre eine Resistenztestung bei frisch diagnosti-zierten Patienten wünschenswert. „Derzeit gehört ein Resistenztest zu Therapiebeginn noch nicht zur Regelleistung der Krankenkassen“, kritisiert der Sprecher des Kompetenznetz HIV/AIDS, Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer, (Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum), „so dass die HIV-Behandler gezwungen sind, ihre Verordnung nach subjektiven Erfahrungen auszuwählen und abzuwarten, ob die Therapie wirkt.“ Unwirksame Kombinationstherapien könnten dann erst nach wochenlanger Verzögerung abgesetzt und korrigiert werden.

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Pressemitteilung


Seite erstellt am 07.03.2005
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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