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Warum Deutschland von der HIV-Forschung im Kompetenznetz profitiert

13.03.2008

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird dem Kompetenznetz HIV/AIDS für eine 3. Förderperiode bis 2010 zwar mehr Finanzmittel zur Verfügung stellen als für jedes andere medizinische Netzwerk. Konkret bedeutet dies allerdings, dass der nationale Forschungsverbund weniger Geld erhält als in den vorangehenden Jahren ....

Statt 3 Millionen Euro sind es jetzt nur noch 1,24 Millionen Euro. Das Netzwerk benötigt jedoch zirka 2,5 Millionen Euro jährlich, um die in Deutschland geschaffene neue Qualität der HIV/AIDS-Forschung zu gewährleisten und auszubauen.

Die Folgen:
• Die Patientenkohorte des Kompetenznetzes HIV/AIDS, eine der größten in der Welt, musste von 15.000 auf nunmehr 8.200 Patienten reduziert werden. Damit geht das  Alleinstellungsmerkmals der deutschen Kohorte verloren.
• Nahmen bis August 2007 insgesamt 68 HIV/AIDS-Schwerpunktzentren an der Kohortenstudie teil, so sind es seit September 2007 nur noch 44.
• Die Finanzierung einiger wissenschaftlicher Projekte musste eingestellt werden. Damit ist die weitere Einbindung hervorragender deutscher Wissenschaftler in den nationalen Forschungsverbund gefährdet.

Konsequenzen für Deutschland:
• Das jetzt etablierte Kompetenznetz bietet erstmals eine voll funktionsfähige Plattform für eine national koordinierte Zusammenarbeit.
• Ein Wegfall dieses Forschungsverbundes würde die klinische HIV-Forschung erneut in die Vereinzelung treiben und damit Deutschland international isolieren.

Was zeichnet die Partientenkohorte aus?
• Zu den von jedem Patienten erfassten - und halbjährlich aktualisierten - Daten
gehören unter anderem. soziodemographische Angaben, Laborbefunde, Daten zu Medikation, Begleiterkrankungen etc. Das macht insgesamt mehr als 400 Items pro Patient aus.
• Zusätzlich werden Serum-, DNA- und Gewebe-Proben von Patienten gesammelt und in Studien genutzt.
• Über die Grundstruktur hinaus sind folgende Zusatzmodule entwickelt worden: ein "Kindermodul", das HIV-positive und HIV-negative Kinder von HIV-infizierten Müttern dokumentiert, ein Modul "Schwangerschaft", Module für HIV/Hepatitis-Koinfektionen und für HIV-assoziierte neurologische Erkrankungen.
• Vorbildfunktion: Das technologische Management der Kohorte kann als Modell zu anderen Indikationen oder für HIVForschungsprojekte in anderen Ländern, z.B. in osteuropäische Staaten, in denen HIV/AIDS derzeit zunehmend an Relevanz gewinnt, dienen. Eine Zusammenarbeit mit Litauen und Ukraine wird zur Zeit aufgebaut.


Was das Kompetenznetz HIV/AIDS leistet:

Auf Basis des Patientenregisters werden die wesentlichen medizinischen Aspekte der HIV-Infektion erforscht. Folgende Themen werden bearbeitet bzw. befinden sich in Planung:
• Impfstoffentwicklung
• antiretrovirale Therapie: Wirkung/Prognose (Qualitätsmanagement), kurzfristige/langfristige Entwicklungen zu Medikamenten-Sicherheit/-Effektivität, Pharmakovigilanz, Therapieresistenzen
• Wirkung von genetischen Variationen bei Wirt und/oder Virus
• Koinfektionen mit Hepatitis B oder C und ihr Einfluss auf HIV-Infektion und -Behandlung
• Auswirkungen der HIV-Infektionen auf den Organismus (z.B. auf das zentrale Nervensystem)
• Zusammenhang von HIV-Infektion und Entstehung von Tumoren (z.B. Darmkrebs)
• Bedeutung psychosozialer Faktoren (z.B. Einkommen) auf Verlauf der HIV-Infektion und den Therapieerfolg, gesundheitsökonomische Studien (Kosten-Nutzen-Evaluierungen

International verankert:
• Das Kompetenznetz konnte sich in den vergangenen Jahren international etablieren, unter anderem durch Kooperationen mit The European AIDS Treatment Network (NEAT), Mitochondrial Toxicity in Children (MITOC),  Collaboration of Observational HIV Epidemiological Research Europe (COHERE).
• KompNet-Forscher sind auf allen relevanten Kongressen präsent und von den Arbeitsgruppen sind zahlreiche Publikationen in hochrangigen Fachjournalen veröffentlicht worden.

Modell der Nachhaltigkeit - die Stiftungsidee
Mit der Gründung einer Stiftung (vergleichbar zu der durch das Land Baden-Württemberg gegründeten Stiftung „Deutsches Krebsforschungszentrum“) wäre eine institutionalisierte finanzielle Absicherung des KompNet HIV/AIDS zu erreichen. Die Vorteile:
• Das Kompetenznetz HIV/AIDS wäre unabhängig von Projektlaufzeiten und -ausschreibungen und könnte die notwendige lückenlose Dokumentation der Patientenkohorte gewährleisten.
• Nach einer Testphase von 6 Jahren könnte der Erfolg des Netzes evaluiert werden, und sollte das Netz nicht den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Nutzen erbringen, könnten die Geldgeber ihr Stiftungskapital wieder herausziehen.

Blick ins Ausland
• Eine dem Kompetenznetz ähnliche Struktur im HIV/AIDS-Bereich in Frankreich (ANRS) wird mit 45 Mio. Euro pro Jahr  unterstützt.
• Die HIV/AIDS-Forschung in Großbritannien erhält ein Budget, das höher ist als das der Netze Frankreichs und Deutschlands zusammen.

Forderung
Der Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung hat das Kompetenznetz in seiner Rolle für die Forschung in Deutschlang an exponierter Stelle gewürdigt. Nun appellieren wir an die Bundesregierung, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu erarbeiten, wie die wichtige Infrastruktur des Kompetenznetzes HIV/AIDS über die 3. Förderperiode hinaus finanziell abgesichert werden kann.


Ansprechpartner:
Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer
Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS
Direktor Forschung und Lehre
Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstr. 56, 44791 Bochum
Tel.: (02 34) 509 -3471, -3474
Fax: (02 34) 509 -3472, -3475
E-Mail: n.brockmeyer@derma.de
http://www.kompetenznetz-hiv.de/

Als PDF-Datei zur Ansicht und als Download:

PM Münchner AIDS-Tage in Berlin 2008 (PDF, 68KB)


Seite erstellt am 12.03.2008
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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