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Sexuelle Gesundheit: Personen mit Risikoverhalten sollten sich testen lassen - nicht nur auf HIV!

07.03.2008

760 000 Bürger der EU-Staaten sind inzwischen HIV-infiziert - Tendenz weiter steigend. Beunruhigend ist, dass das Virus bei 30 Prozent der Betroffenen erst in einem behandlungsbedürftigen Stadium der Infektionskrankheit entdeckt wird.

Damit wird nicht nur die Chance einer weitgehend unkomplizierten antiretroviralen Therapie vertan, die – rechtzeitig begonnen – vielen Patienten ein weitgehend „normales“ Leben ermöglicht. Dabei tragen eine frühzeitige Diagnose und rechtzeitige Therapie aus zwei Gründen auch zur Eindämmung der Weiterverbreitung der Infektion bei. Zum einen können sich Betroffene, die von ihrer Infektion wissen, verantwortungsvoll verhalten und z.B. safer sex-Methoden anwenden. Zum anderen zeigen zahlreiche Studien, dass die Ansteckungsgefahr bei Menschen, die unter einer gut verträglichen und wirksamen HIV-Therapie stehen, entscheidend vermindert ist und in der Regel gegen Null geht.
Das Kompetenznetz HIV/AIDS sieht angesichts dieser Tatsachen Handlungsbedarf. Der Sprecher des Netzes, Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer (Universitätshautklinik St. Josef Hospital Bochum), fordert dazu auf, Personen mit Risikoverhalten verstärkt und proaktiv über Test- und Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären. Insbesondere auch über den sogenannten Schnelltest bei dem nach 15 Minuten ein Ergebnis vorliegt. Das Netz niedrigschwelliger Testangebote sollte ausgeweitet und deren Akzeptanz bei Ärzteschaft und Bevölkerung durch intensivierte Aufklärungsanstrengungen verbessert werden. Der HIV-Test sei nicht nur ein (differential)diagnostisches Verfahren bei bereits Erkrankten. Vielmehr ermöglicht die frühzeitige Erkennung einer HIV-Infektion den Betroffenen eine rechtzeitige Therapie, die die Lebensqualität erhalten kann. Darüber hinaus stellt sie eine wichtige Säule der Prävention dar. „Frühzeitiges Testen und der Zugang zu einer medizinisch effektiven Behandlung sind der Schlüssel zur Bekämpfung von HIV/AIDS", so Brockmeyer.
Der Sprecher des Kompetenznetzes rät allen zu einem Test, die häufig wechselnde Sexualpartner haben. Das gilt vor allem auch für flüchtige Sexualkontakte auf Urlaubs- oder Geschäftsreisen, insbesondere dann, wenn es sich um Reisen in Länder mit einer nennenswerten HIV-Durchseuchung handelt. Dies ist nicht nur in Afrika oder dem fernen Osten, sondern auch zahlreichen Ländern Osteuropas der Fall. Ärzte sollten bei bestimmten Indikatorerkrankungen eine gleichzeitig bestehende oder zugrunde liegende HIV-Infektion ausschließen. Brockmeyer rät zu einem HIV-Test, wenn anhaltendes Fieber, massive Durchfälle, lang anhaltender Nachtschweiß, dauernden Schwellungen der Lymphknoten, Mundsoor, Gürtelrose, Hauttumoren oder Herpesinfektionen vorliegen. Unbedingt sollte ein Test durchgeführt werden, wenn andere sexuell übertragbare Erkrankungen wie Syphilis oder Gonorrhoe (Tripper) gefunden wurden. Unabhängig davon sei es auch sinnvoll, eine HIV-Testung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge anzubieten, weil eine während der Schwangerschaft durchgeführte HIV-Therapie zusammen mit einer rechtzeitig geplanten Schnittentbindung das Risiko einer Übertragung auf das Kind gegen nahezu Null reduzieren könne.
In diesem Zusammenhang weist der AIDS-Experte darauf hin, dass zu jedem Test ein umfassendes Beratungsgespräch gehört. Dabei muss auch auf das sog. diagnostische Fenster hingewiesen werden: wie der Bluttest auf Syphilis ist ein HIV-Test nicht sofort nach dem Infektionsereignis positiv, sondern erst, wenn sich im Blut Antikörper ausgebildet haben. Dies ist oft erst nach 12 Wochen der Fall; bis dahin können die Blutteste zunächst unauffällig bleiben. Im Beratungsgespräch ist darauf hinzuweisen, dass nur verantwortungsvolles Verhalten vor einer Ansteckung schützen kann. Die Bedeutung von safer sex-Praktiken und regelmäßigem Kondomgebrauch kann nicht genug hervorgehoben werden.

„Der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ist heute also wichtiger als je zuvor“, betont Brockmeyer und mahnt, dass „gefährdete Personen es sich und anderen schuldig sind, auf ihre sexuelle Gesundheit zu achten.“

Flächendeckende Reihenuntersuchungen der Bevölkerung, wie sie zur Zeit in den USA diskutiert werden, lehnt der Sprecher des Kompetenznetzes jedoch ab. Suchteste auf HIV seien höchst empfindlich eingestellt, um auch im Blutspendewesen einsetzbar zu sein. Der Preis sei eine Genauigkeit von „nur“ 99% – d.h. von jeweils 100 untersuchten Blutproben gerät eine zu Unrecht in den Verdacht HIV-positiv zu sein. Bei Massenuntersuchungen von mehreren hunderttausend Menschen sei mit mehreren Tausend falsch positiven Testen zu rechnen, die jeweils mit aufwendigen und teuren Kontrolluntersuchungen korrigiert werden müssten, und mit erheblicher Unsicherheit der Betroffenen bezahlt werde. Es sei aber sehr wohl an der Zeit, Schwellenängste vor einem HIV-Test abzubauen. Im Rahmen gut betreuter Projekte könnten z.B. in Arztpraxen, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern niedrigschwellige Testprogramme auch mit Schnelltesten angeboten werden. Diese Teste sollten In Vorsorgeprogrammen wie in NRW geplant geprüft werden, ob damit mehr Menschen für eine Testung gewonnen werden können. Brockmeyer unterstreicht: „Letztlich muss der Wunsch nach einem HIV-Test vom gut aufgeklärten Menschen selbst ausgehen.“

In diesem Zusammenhang hält Brockmeyer die Anwendung im Internet angebotener HIV-Schnelltests für problematisch: „Möglicherweise werden viele eher bereit sein, einen „anonymen“ Heimtest durchzuführen. Die Betroffenen werden aber mit einem positiven oder vielleicht auch falsch positiven Ergebnis allein gelassen sein. Diesen Preis halte ich für zu hoch!“

 

 


Wie gefährdete Personen auf ihre „sexuelle Gesundheit“ achten sollten und die Ärzteschaft diese Präventionsmaßnahme unterstützen kann, ist Thema der   

Pressekonferenz des Kompetenznetzes HIV/AIDS
anlässlich des 114. Internistenkongresses in Wiesbaden

Montag, 31. März 2008, 14.00 bis 15.00 Uhr

Ort: Rhein-Main-Hallen, Saal 12

Referenten:
• Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer (Sprecher Kompetenznetz HIV/AIDS, Bochum)
• Prof. Dr. med. Elisabeth Pott (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln)

 

Sprecher Kompetenznetz HIV/AIDS

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer

Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum

Gudrunstraße 56, 44791 Bochum 

Phone: +49 (0) 234 509 -3471, -3474 Fax: +49 (0) 234 509 -3472, -3475 E-Mail: n.brockmeyer@derma.de

 

Wissenschaftliche Koordinatorin 

PD Dr. Adriane Skaletz-Rorowski

Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum

Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, 

Phone: +49 (0) 234 509 -3486 Fax: +49 (0) 234 509 -3483 E-Mail: a.skaletz@klinikum-bochum.de
   


 

Als PDF-Datei zur Ansicht und als Download:

PM Sexuelle Gesundheit (PDF, 73 KB)


Seite erstellt am 07.03.2008
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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