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Gemeinsam gegen HIV/AIDS: Netzwerke der HIV/AIDS-Forschung bei EU-Konferenz

06.03.2007

HIV/AIDS ist gesundheitspolitisches Hauptthema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 – Kompetenznetz HIV/AIDS beteiligt sich an Leitkonferenz am 12. und 13. März in Bremen

„Verantwortung und Partnerschaft“ – unter diesem Motto treffen sich Mitte März zahlreiche Regierungsvertreter, Hilfsorganisationen, Wissenschaftler und andere Akteure aus dem Bereich HIV/AIDS bei einer internationalen Konferenz unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit. Im Mittelpunkt des Programms steht das Thema Kooperation: die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen spielt eine zentrale Rolle in der gemeinsamen Bekämpfung von HIV/AIDS. Auch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kompetenznetz HIV/AIDS wird seine Ergebnisse und Erfolge zur Zusammenarbeit vorstellen und bietet sich als kompetenter Partner für den internationalen Kampf gegen die Infektionskrankheit an.

Die Fakten sind so bekannt wie erschreckend: Etwa 40 Millionen Menschen weltweit leben mit einer HIV-Infektion. Schätzungsweise 4,3 Millionen von ihnen haben sich 2006 neu mit dem Virus angesteckt. Und die Zahl der Neuinfektionen steigt – auch in Europa. Dies besagt der im Dezember 2006 veröffentlichte Statusbericht der Weltgesundheitsorganisation WHO in Zusammenarbeit mit UNAIDS, dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/AIDS. Ein weiteres Problem ist das Risikoverhalten, wie das „Eurobarometer zur HIV/AIDS-Prävention“ (Februar 2006) zeigt, für das rund 25.000 Personen in 25 EU-Mitgliedsstaaten befragt wurden: Mit mehr als 90 Prozent wissen zwar die meisten Europäer, wie die HIV-Infektion übertragen werden kann. Gleichzeitig geben jedoch 48 Prozent der Befragten zu, trotz weltweiter Verbreitung des Virus keine Vorsichtsmaßnahmen beim Sexualverkehr zu treffen.

Voraussetzung für den Kampf gegen HIV/AIDS: Vernetzung in der Forschung
Was tun? Die EU hat das Thema seit den späten 1980er-Jahren im Blickpunkt ihrer Aktivitäten. Die deutsche Bundesregierung hat HIV/AIDS nun als gesundheitspolitisches Hauptthema ihrer EU-Ratspräsidentschaft 2007 gewählt. Und eines ist allen Beteiligten klar: Nur gemeinsam, durch eine gebündelte und interdisziplinäre Zusammenarbeit auf allen Ebenen, können die Probleme um HIV/AIDS gelöst werden. Ein Beitrag hierzu ist der Workshop „Netzwerke und Vernetzung der HIV/AIDS-Forschung“ bei der kommenden AIDS-Konferenz in Bremen. Er liefert Beispiele, wie die Vernetzung innerhalb eines Landes, aber auch grenzübergreifend dazu beitragen kann, der internationalen Bedrohung durch das HI-Virus entgegenzutreten.

Auch das deutsche Kompetenznetz HIV/AIDS wird bei dieser Konferenz vor Ort sein und über die eigenen Erfahrungen und Fortschritte sowie über zukünftige Pläne der vernetzten Forschung berichten. Wie gut diese funktioniert, hat der Forschungsverbund seit seinem Start im Jahr 2002 bereits unter Beweis gestellt: So laufen derzeit 24 wissenschaftliche Schwerpunktprojekte zu den verschiedensten Aspekten der Infektionskrankheit – von A wie AIDS-Hilfe bis Z wie zentrales Nervensystem. Zahlreiche Ergebnisse aus den Projekten wurden bereits in hochrangigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, auf internationalen Kongressen präsentiert und haben medizinische Behandlungsleitlinien für HIV-infizierte Patienten beeinflusst. Auf europäischer und internationaler Ebene, z.B. zur Verminderung der Virusübertragung von einer schwangeren Frau auf ihr Kind, arbeitet das Netz bereits mit mehreren Partnern zusammen und ist beispielsweise Mitglied im „Network for European AIDS Treatment" (NEAT), einem europäischen Exzellenz-Netzwerk zur Verbesserung der HIV-Behandlung.

Patientenregister des Kompetenznetz HIV/AIDS: Nutzen für Europa
Das zentrale Projekt des Kompetenznetzes HIV/AIDS ist die so genannte Patientenkohorte (Patientenregister), eine bundesweite Datenbank, in der inzwischen rund 14.000 Personen in 68 Kliniken und HIV-Schwerpunktpraxen erfasst werden – und damit knapp ein Drittel aller HIV-infizierten Patienten in Deutschland. Durch die rege Beteiligung von Ärzten und Patienten ist das Patientenregister des Kompetenznetzes eine der größten HIV-Kohorten der Welt. Auch auf europäischer Ebene kann die Kohorte wichtige Daten liefern, auf denen etwa – in Zusammenarbeit mit der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) e.V. – neue Präventionsstrategien aufbauen können.

Ein weiterer Nutzen: Bestimmte Forschungsfragen zu HIV/AIDS können nur bei großen Fallzahlen, z.B. durch umfangreiche Kohortenstudien oder internationale Zusammenschlüsse mehrerer Kohorten, adäquat beantwortet werden. Dann nämlich können Auswertungen über Personengruppen gemacht werden, die insgesamt eine Minderheit darstellen, wie – zumindest in Deutschland – HIV-infizierte Frauen oder Kinder. Und gerade weil diese Personengruppen in „normalen“ klinischen Studien oft nur ungenügend beteiligt sind, gibt es über den Verlauf der HIV-Infektion und die Therapie-Besonderheiten bei diesen Patienten nur unzureichende Erkenntnisse. Auch hier kann die Patientenkohorte des Kompetenznetzes HIV/AIDS wichtige Daten liefern.

Zusätzlich kann das Patientenregister auch als Modellprojekt für Staaten und Regionen dienen, in denen die Dokumentation der HIV-Infektion gerade erst beginnt, wie z.B. in Osteuropa. Diese Länder können von den Erfahrungen profitieren, welche das Kompetenznetz HIV/AIDS in Deutschland mit der Kohorte gesammelt hat, und können mit dieser Hilfestellung eine eigene Kohortenstudie aufbauen und etablieren.

12.-13. März 2007, Bremen
„Verantwortung und Partnerschaft – Miteinander gegen HIV/AIDS“
http://www.aidsconference.de/
Konferenz des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Europäischen Kommission und UNAIDS.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer
Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS
Vorsitzender der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG)
Direktor Forschung und Lehre
Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstr. 56, 44791 Bochum
Tel.: 0234-509 3471, 74
Fax: 0234-509 3472, 75
E-Mail: n.brockmeyer@derma.de
http://www.kompetenznetz-hiv.de

Als PDF-Datei zur Ansicht und als Download:

Pressemitteilung (PDF, 59 KB)


Seite erstellt am 08.03.2007
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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