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Prävention und Frauen im Blickpunkt der Forschung

12.09.2006

Das Kompetenznetz HIV/AIDS erforscht Gender- und Präventionsfragen in verschiedenen Projekten

Im globalen Kampf gegen AIDS müssen der Prävention sowie den Besonderheiten der HIV-Infektion bei Frauen ein größerer Stellenwert eingeräumt werden. Dieser Kernbotschaft vom Welt-AIDS-Kongress 2006 in Toronto entspricht das Kompetenznetz HIV/AIDS mit mehreren Projekten zur Gender- und Präventionsforschung.

Voraussetzung für die effektive Prävention der HIV-Infektion ist eine umfangreiche Information. Welche erschreckenden Lücken diesbezüglich unter Jugendlichen bestehen, verdeutlicht eine Umfrage, die UNAIDS – das gemeinsame Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/AIDS – in Toronto vorstellte. Danach haben weltweit  mehr als 50 Prozent aller Jugendlichen keine oder zu wenig Allgemeinkenntnisse über die Immunschwächekrankheit und die Wege ihrer Verbreitung. In den Industrienationen fällt dieser Anteil zwar geringer aus, „aber 25 Jahre nach der Erstbeschreibung von AIDS gilt es auch in Deutschland, der Ahnungslosigkeit der jungen Bevölkerung entgegen zu treten“, so Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS: „Um die Prävention effektiv zu gestalten, muss diese jedoch exakt auf die Situation des jeweiligen Landes und der entsprechenden Zielgruppen abgestimmt sein.“
 
Basis für Präventionsstrategien: die Patientenkohorte
In Deutschland kann hierzu die Datenbank des Kompetenznetzes HIV/AIDS, die so genannte Patientenkohorte, Hilfestellung leisten. In dieser werden verschiedenste Daten von inzwischen rund 13.700 HIV/AIDS-Patienten gesammelt. Auf dieser Basis können  Parameter für eine maßgeschneiderte Prävention in Deutschland gezielt abgefragt werden. Besonders interessieren sich die Wissenschaftler für Faktoren wie Geschlecht, mögliche Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe (z.B. homosexuelle Männer, Drogengebraucher), Land der HIV-Infektion sowie Ausbildung und Form der Berufstätigkeit.
 
Ein aktuelles Projekt des Kompetenznetzes HIV/AIDS zu diesem Thema ist die Fragebogen-Studie „Prävention heute“ mit dem Sozialpsychologen Dr. Phil C. Langer von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Hierfür wurden Anfang des Jahres 600 homosexuelle Männer (zwei Drittel davon HIV-infiziert) sowie Mediziner von 20 Schwerpunktpraxen befragt, die sich am Kompetenznetz HIV/AIDS aktiv beteiligen. Die teilnehmenden Ärzte gingen davon aus, dass die verbesserten Therapiemöglichkeiten heute viele homosexuelle Männer dazu veranlassen, seltener Kondome zu benutzen. Anders dagegen die Einschätzung der Patienten: Viele räumten ein, Wissensdefizite hinsichtlich der Ansteckung mit dem HI-Virus gehabt zu haben. Dazu Brockmeyer: „Es gibt weder eine Heilung der AIDS-Erkrankung noch eine Impfung gegen HIV. Die wirksamste Maßnahme gegen Neuinfektionen ist und bleibt deshalb die Prävention – dies wurde auch beim Welt-AIDS-Kongress immer wieder betont.“
 
Genderforschung: Frauen und Schwangerschaft
Obwohl Frauen weltweit mehr als die Hälfte der HIV-Infizierten ausmachen (in Deutschland 17 Prozent), ist das weibliche Geschlecht in klinischen Studien unterrepräsentiert. Geschlechtsunterschiede und frauenspezifische Besonderheiten der Immunschwächekrankheit wurden daher bislang nicht ausreichend untersucht. Diesem Defizit begegnet das Kompetenznetz HIV/AIDS mit zahlreichen Forschungsansätzen und Kooperationen.
 
Um schwangere HIV-Infizierte und ihre Kinder optimal betreuen zu können, ist es beispielsweise notwendig, den Einfluss des Virus im weiblichen Organismus und seine Auseinandersetzung mit dem Immunsystem zu kennen. Aus diesem Grund hat das Kompetenznetz HIV/AIDS im Rahmen der Patientenkohorte ein spezifisches Modul zum „Schwangerschaftsverlauf bei HIV-infizierten Frauen“ aufgebaut. Hier wird untersucht, ob und wie die antiretrovirale Therapie der Mutter den Schwangerschaftsverlauf, die Entbindung und den Gesundheitszustand des Kindes beeinflusst.
 
Forschungsbedarf auch in Zukunft
Weitere Forschungsprojekte zu den Themen Prävention und Frauen sind bereits im Kompetenznetz HIV/AIDS angelaufen oder befinden sich in der Planung. Nur dank der Förderung des Bundesministeriums – es finanziert das Kompetenznetz HIV/AIDS seit seinem Start im Jahr 2002 mit insgesamt 12 Millionen Euro – konnte der Forschungsverbund überhaupt so erfolgreich arbeiten. Besonders wichtig ist Brockmeyer der Fortbestand des Netzes und seine weitere finanzielle Unterstützung. „Die HIV-Medizin hat noch viele offene Fragen“, so der Sprecher. „Mit der nationalen Patientenkohorte des Kompetenznetzes HIV/AIDS haben wir die großartige Chance, die aktuelle Forschung voranzutreiben und auch international mitzuhalten. Das müssen wir nutzen.“
 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer
Vorsitzender der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG)
Sprecher Kompetenznetz HIV/AIDS
Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität
Gudrunstr. 56
44791 Bochum
Tel.: 0234-509 3471, 74
Fax: 0234-509 3472, 75

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Pressemitteilung (60 KB)


Seite erstellt am 12.09.2006
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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