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Kompetenznetz zeigt Flagge auf Welt-Aids-Kongress in Toronto

10.08.2006

Bilanz des deutschen HIV-Wissenschaftsnetzes setzt international Maßstäbe / Fortbestand ist finanziell nicht gesichert

Das Kompetenznetz HIV/AIDS wird auf dem Welt-Aids-Kongress 2006, der vom 13. bis 18. August in Toronto stattfindet, eine Zwischenbilanz der bisherigen Arbeit vorstellen. Wichtigste Grundlage der Forschungen bieten die Daten aus einer Patientenkohorte, die mittlerweile mehr als 13.500 HIV-Patienten umfasst. Das deutsche Forschungsnetz, dem bundesweit 51 Zentren angeschlossen sind, präsentiert auf dem weltweit größten Kongress zu medizinischen und gesellschaftspolitischen Fragen der Immunschwächekrankheit aktuelle Auswertungen der nationalen Patientenkohorte.

Auftakt der Arbeit des Kompetenznetz HIV/AIDS im Juni 2002 war der Aufbau eines interaktiven Computer-Netzwerks, die sogenannte Telematik-Plattform, in die Grundlagenforscher und HIV-Mediziner ihre Befunde einspeisen. Mit deren Hilfe konnte eine nationale Patientenkohorte aufgebaut werden, die einen Datenpool von inzwischen mehr als 13.500 HIV-Infizierten umfasst.  Auf  Basis dieser in Deutschland einzigartigen Kohorte arbeiten die Kompetenznetz-Mitglieder an 24 Projekten der kliniknahen Grundlagenforschung sowie der klinischen Forschung, die den Patienten unmittelbar zugute kommen. Ihre Ergebnisse haben bisher zahlreiche Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Immunschwächekrankheit maßgeblich beeinflusst und wurden seither in 122  Publikationen veröffentlicht.

Die Kohorte ist für deutsche HIV-Wissenschaftler zudem „Sprungbrett“, um mit großen Patientenzahlen an europäischen und internationalen Studien teilzunehmen. So wurde das Kompetenznetz im Juni in ein renommiertes Konsortium aus US-amerikanischen und europäischen Forschern aufgenommen, die im Rahmen der Impfstoffentwicklung  nach genetischen Unterschieden der natürlichen Abwehrkräfte der HIV-Infizierten suchen (EuroCHAVI-Studie). „Die Kohorte des Kompetenznetzes HIV/AIDS wird auf höchstem Standard dokumentiert und sucht von Qualität und Umfang international ihres Gleichen. Mit der Etablierung des Kompetenznetzes gibt es in Deutschland erstmals einen zentralen Ansprechpartner für multinationale HIV-Forschungskollaborationen“, sagte Netzsprecher Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer (Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum) im Vorfeld der Tagung in Toronto.

Das Kompetenznetz biete die Infrastruktur, um Multi-Center-Studien anhand größerer Patientenkohorten durchzuführen. „Dies ermöglicht unter anderem Fortschritte in der geschlechtsspezifischen Forschung, die im HIV-Bereich bisher zu wenig berücksichtigt wurde, um beispielsweise Unterschiede bei der Metabolisierung von Medikamenten oder Wirtsreaktionen gegen Infektionen zu ergründen“, so Brockmeyer. Nicht nur mit dieser Thematik werde sich das Netz in Toronto vorstellen, sondern auch mit genetischen Untersuchungen zur Hepatitis-Koinfektion  sowie der Prophylaxe von Nebenwirkungen der HIV-Therapie (Lipodystrophie und Polyneuropathie) (Abstracts hierzu sind ab 12. August einzusehen auf www.aids2006.org).

Die Freude über die positive Bilanz des Forschungsnetzes wird jedoch mit Blick auf die Zukunft getrübt. „Denn“, so Brockmeyer, „wichtig wäre es nun, die Kohorte auf diesem hohen Niveau zu stabilisieren und in den nächsten Jahren weiterzuführen, damit sukzessive auch längerfristige Auswertungen der Daten möglich sind. Allerdings ist das Kompetenznetz HIV/AIDS, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, nur noch bis zum Jahr 2007 finanziell abgesichert.“ Obwohl die Industrie Interesse bekunde, einzelne Studien gemeinsam mit dem Kompetenznetz durchzuführen, lasse sich damit nicht der langfristige Bestand der Kohorte sichern. „Nach Erfahrungen in den USA ist davon auszugehen, dass die Kohorte noch etwa drei bis fünf Jahre zusätzlich finanziell unterstützt werden muss, damit ihre Nachhaltigkeit gesichert ist und sie sich dann selbst tragen kann“, betonte Brockmeyer.

Wünschenswert sind nach Ansicht des Netzsprechers neben einer Unterstützung durch Stiftungen auch die Schaffung von finanziellen Anreizsystemen. Dieser Forderung pflichtet auch die Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e.V. (TMF) bei. „Wer Datensätze in einer Qualität erhebt, die als Grundlage für Register oder klinische Studien taugt, sollte entsprechend vergütet werden, etwa durch eigene Abrechnungsziffern, die den Zeitaufwand angemessen abbilden – und die Krankenkassen bei der medizinischen Forschung mit in die Pflicht nehmen würden“, so TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler.


Weitere Informationen: 
Prof. Dr. N.H. Brockmeyer
Vorsitzender der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG)
Sprecher Kompetenznetz HIV/AIDS
Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität
Gudrunstr. 56
44791 Bochum
Tel.: 0234-509 3471, 74
Fax: 0234-509 3472, 75

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Seite erstellt am 11.08.2006
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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