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Statement

03.02.2006

Mehr als 10.000 Patienten in Kohorte / Kooperation mit Japan / Infrastruktur bietet sich für Unternehmens-Partnerschaften an

Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer
PK Freitag 3.2.06 12.00-13.00 Uhr

Am 11. Januar ist eine der größten Studien, die jemals zur antiretroviralen Therapie unternommen wurde (SMART / Strategies for Management of Antiretroviral Therapy), überraschend abgebrochen worden. Der Grund: HIV-infizierte Patienten, denen das Protokoll gelegentliche Therapiepausen erlaubte, entwickelten häufiger Aids-definierende Erkrankungen. Der völlig unerwartete Ausgang der Studie ist für Ärzte und Patienten eine herbe Enttäuschung, da man sich von Therapiepausen erhoffte, Resistenzen zu vermindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. „Sie werden sich fragen, was diese Meldung mit dem Kompetenznetz HIV/AIDS zu tun hat“, sagte Prof. Dr. med. Norbert Brockmeyer (Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum) anlässlich einer Pressekonferenz bei den 11. Münchner Aids-Tagen.

„Es sind zwei wesentliche Punkte“, ergänzte der Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS. Von den 318 Zentren in 33 Ländern, die sich an SMART beteiligt hatten, waren 12 deutsche Zentren Mitglieder im Kompetenznetz HIV/AIDS. „Gleichzeitig liefert das unerwartete Studienergebnis den Beweis dafür, dass die Überprüfung von plausiblen Hypothesen durch klinische Studien mit hohen Patientenzahlen und validem Datenmanagement - so wie sie das Kompetenznetz HIV/AIDS für Deutschland zur Verfügung stellt - unerlässlich ist.

Inzwischen sind die Befunde von mehr als 10.000 Patienten in die Datenbank des Kompetenznetzes von Grundlagenforschern, Universitäten, Klinikern und niedergelassenen Ärzten eingespeist worden. „Das ist unversiegbare Informationsquelle für Wissenschaftler, HIV-Mediziner, Patienten (-Verbände), Pharmafirmen und Gesundheitspolitiker“, so Brockmeyer. Klinisch relevante Auswertungen der Kohorte werden anlässlich der Münchner Aids-Tage vorgestellt.

Voraussetzung für die langfristige erfolgreiche Arbeit des Kompetenznetzes HIV/AIDS, das seit 2001 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) finanziert wird, ist allerdings die Unterstützung durch Politik und Industrie in den kommenden Jahren. Denn der überregionale Forscherverbund ist nur noch bis zum Jahr 2007 finanziell abgesichert. An einer Fortführung wird gearbeitet, da die deutsche Aidsforschung eine Infrastruktur wie das Kompetenznetz HIV/AIDS sowohl für den wissenschaftlichen Alltag, die Patientenversorgung als auch für die internationale Zusammenarbeit benötigt.

Den Beweis dafür liefert die Kooperation des Kompetenznetzes HIV/Aids, die im November erstmalig mit japanischen HIV-Wissenschaftlern gestartet worden ist. Anlässlich des „1. Japanisch-Deutschen HIV/AIDS Symposium“ in Nagoya wurde eine längerfristige Partnerschaft mit regelmäßigen Tagungen, gemeinsamen Forschungsprojekten, vergleichenden Studien und dem Austausch junger Wissenschaftler vereinbart. Von besonderem Interesse für die japanischen Forscher ist die Datensammlung der deutschen Kohorte, sie soll als Vorbild für eine ähnliche Struktur im Fernen Osten dienen. Bereits in diesem Frühjahr werden Prof. Takashi Okamoto (Nagoya City University) und Kollegen zu einem weiteren Treffen nach Deutschland reisen. „Die internationale Vernetzung bietet große Zukunftschancen“, so Brockmeyer: „Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsfeldern, wo die Globalisierung Deutschland eher schwächt, gibt sie der Wissenschaft, wenn die Infrastruktur aufgebaut und gesichert ist, einen weiteren deutlichen Aufschwung.“

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Ruhr-Universität Bochum Gudrunstraße 56,
44791 Bochum
Phone: +49 (0) 234 509-3471, -3474
Fax: +49 (0) 234 509-3472, -3475
n.brockmeyer@derma.de

Als PDF-Datei zur Ansicht und als Download:

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Seite erstellt am 13.03.2006
Letzte Aktualisierung am 01.11.2016

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